Die Deepfake-Akten: der Krieg, dessen Bilder vor ihm fertig waren
In den ersten zwei Kriegswochen 2026 sammelten KI-gefälschte Kampfvideos zweistellige Millionen-Aufrufe. Dies ist das Aktenarchiv des zweiten Krieges — des Krieges in Ihrem Feed.

Der Iran-Krieg 2026 hatte zwei Fronten. Die erste kannten Sie aus der tagesschau: Raketen, Luftabwehr, Erklärungen, Karten mit roten Pfeilen. Die zweite Front lag in Ihrer Hosentasche — dort, wo der Daumen scrollt. Und an dieser Front war fast kein Bild das, was es zu sein behauptete.
Die Zahl lieferte CNN am 11. März: KI-generierte Kampfvideos erreichten in den ersten rund zwei Kriegswochen zweistellige Millionen-Aufrufe. Kein echter Frontbericht kam auch nur in die Nähe. Das ist kein Wunder, sondern Physik der Aufmerksamkeit: Die Wirklichkeit muss erst geschehen, die Fälschung muss nur rendern.
Diese Seite ist die Hub-Akte unseres Deepfake-Dossiers. Sie will nicht empören, sondern archivieren — Fall für Fall, mit Quelle und Datum. Denn im Informationskrieg ist das Gedächtnis die einzige Luftabwehr, die funktioniert.
Akte eins: die Flut
Zwei Wochen lang regnete es Explosionen, die keine Kamera je aufgenommen hatte: Städte, die nicht brannten, aber „brannten“, Abwehrsysteme, die versagten oder Rekorde brachen — je nach Bestellung. Der Punkt ist nicht, dass die Leute naiv waren. Der Punkt ist, dass das gefälschte Bild exakt für das Gefühl gebaut war, das die echte Nachricht nur unvollständig bedient.
Akte zwei: die Fabrik
Die Foundation for Defense of Democracies (FDD) berichtete am 19. März: Ein Großteil des Materials stammte aus Netzwerken mit Verbindungen zur iranischen Regierung, verstärkt durch russische und chinesische Informationsökosysteme. Ein Staat, der einen realen Krieg führte, hatte also Budget für einen fiktiven. Man beachte die Prioritätensetzung: Wenn der Sieg im Feld nicht zu haben ist, ist er im Renderprogramm zu haben.
Akte drei: die Gegenoperation
Die andere Seite ruhte nicht. Das Citizen Lab der Universität Toronto dokumentierte ein israelisch unterstütztes Netzwerk — Codename „PRISONBREAK“ —, das KI-generierte Anti-Regime-Propaganda gezielt an Iranerinnen und Iraner ausspielte. Die vollständige Akte lesen Sie unter Das PRISONBREAK-Netzwerk. Vorerst genügt ein Satz: Beide Kriegsparteien feuerten auf denselben Bildschirm — Ihren.
Akte vier: die Verifikation als Kriegsopfer
Was tat der besorgte Nutzer? Er fragte eine KI, ob das Video echt sei. Und Grok und Gemini beglaubigten laut Euronews vom 30. März gefälschte Videos als authentisch. Der Faktenchecker trat der Reihe der Opfer bei. Die Details dieser bitteren Komödie stehen in Wenn KI die KI verifiziert.
Akte fünf: die Rechnung
Diese Flut war nicht umsonst — sie war profitabel. Engagement wird vergütet, und Krieg ist das engagement-stärkste Produkt im Aufmerksamkeitsmarkt. Die Betriebswirtschaft der Kriegs-Slop-Produzenten haben wir in Die War-Slop-Ökonomie aufgeschlüsselt.
Akte sechs: das Publikum hinter der Mauer
Und die bitterste Akte: Das Hauptpublikum beider Fälschungsfabriken war eine Bevölkerung, die selbst für dieses vergiftete Internet erst über die Zensurmauer klettern musste. Davon erzählt VPN-Nation.
Analyse: Sie sind nicht Zuschauer, Sie sind das Spielfeld
Das Fazit dieses Archivs passt in einen Satz: Im Informationskrieg ist keine Seite „Ihre“ Seite. Teheran fälschte für Sie, Tel Aviv fälschte für Sie, Moskau und Peking verteilten, und die Plattform kassierte von allen Provision. Die einzige Konstante aller Operationen war der Adressat. Wenn Sie das nächste Bild sehen, das Ihr Blut kochen lässt: eine Sekunde warten und die sieben Fragen aus dem Werkzeugkasten für Kriegsschlagzeilen stellen. Ihr Nervensystem ist das Schlachtfeld — betreten Sie es wenigstens nicht unbewaffnet.
Die Karte dieser Akten
Dieser Hub lebt und wächst mit jeder neuen Akte: Das PRISONBREAK-Netzwerk, Wenn KI die KI verifiziert, Die War-Slop-Ökonomie und VPN-Nation. Und was „seriöse“ Medien ganz ohne KI leisten, zeigt Die Hierarchie der Opfer.